Interview mit David Russel

Wir trafen David Russell anlässlich der LiGiTa in Eschen und nahmen die Gelegenheit wahr, ihm ein paar Fragen zu stellen.

    

Welche musikalischen Studien kannst Du uns im Besonderen empfehlen?

Der Gefühlsausdruck ist das Höchste in der Musik. Du solltest den Zuhörer deine Leidenschaft spüren lassen, welche du für jedes einzelne Stück hast. Verwende viel Zeit des Übens, indem du jede Phrase mit verschiedenem Ausdruck spielst. Lass Dich nicht allein von den Fingern leiten. Verlange mehr von Dir. Spiele mit Imitationen, Parodien, sei einfallsreich mit der Wahl der Phrasierung und entdecke all die Möglichkeiten, die es gibt.

In Eschen (Liechtenstein) spieltest Du im Eröffnungskonzert zwei brillante Sonaten von D. Scarlatti. Diesbezüglich erwähntest Du im Gespräch den Ausspruch: “Scarlatti hat den Flamenco erfunden!“ Kannst Du uns drüber ausführlicher berichten?

Das war natürlich scherzhaft gemeint. Scarlatti hörte Spanische Folksmusik und liess in Anlehnung an diese Eindrücke Harmonien und Rhythmen in seine Musik einfliessen. Ein treffendes Beispiel dazu liefert der zweite Teil der Sonata K501.

Was bedeutet Dir der Flamenco als Gitarren-Solomusik?

Ich bin von Flamenco im allgemeinen begeistert und ganz speziell gern höre ich die Solo Gitarre. Einige Flamenco-Spieler holen aus der Gitarre Dinge heraus, welche erstaunlich sind und einige spielen mit solch einer Leidenschaft, dass wir als klassische Gitarristen von ihnen nur lernen können, obwohl unsere Musik im Allgemeinen andere Emotionen verlangt.

Deine Arrangements der Schottischen und Irischen Themen wurden beim Publikum mit grosser Begeisterung aufgenommen. Wann werden diese Stücke publiziert und über welchen Verlag?

In diesem Jahr habe ich mich fast ausschliesslich mit Arrangieren von Scarlatti, Vivaldi und Loeillet beschäftigt. Diese Bearbeitungen erscheinen bei Doberman (Canada). Den Schottischen und Irischen Arrangements habe ich nicht eine so grosse Bedeutung zugemessen aber ich verspreche, diese schon bald zu veröffentlichen. Vielleicht erscheinen einige bei Doberman und einige habe ich dem Verlag Gendai Guitar in Japan versprochen.

Gibt es etwas, welches Du dem www.guitarweb.ch Besucher im speziellen mitteilen möchtest?

Gleich wie viel du übst und wie gut du inzwischen gelernt hast zu spielen, vergiss nie die Liebe und den Enthusiasmus, der dich zuerst dazu brachte, Dein Instrument zu spielen. Der Amateur, welcher die Spanische Romanze spielt, nährt sich an derselben Energie, welche für Segovia lebenslanger Inspirationsquell war.

Wir bedanken uns herzlich für dieses Interview und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg!

Welche Umstände brachten Dich dazu, Gitarrist zu werden?

Mein Vater ist ein Amateur-Gitarrist und er führte mich in die Musik ein. Er hatte eine grosse Sammlung von 78rpm Schallplatten mit Aufnahmen von Segovia und dies weckte schon zu Beginn mein Interesse für klassische Musik. Wir lebten in Spanien, viele Kinder spielten ein bisschen Gitarre und es war ganz normal, die Zeit mit Üben zu verbringen.

Welche Lehrer haben Dich entscheidend beeinflusst?

Nach meinem Vater waren es Hector Quine an der Royal Academy of Music in London und Jose Tomas in Spanien.

 Welche Musik hörst Du gern?

Am liebsten höre ich klassische Musik und gewisse Folklore-Musik. Ich bin kein grosser Fan von Rock’n Roll oder lauter elektronischer Musik, obwohl ich zugebe, dass die Show von gewissen Pop-Konzerten faszinierend ist.

Kennst Du Namen von  unbekannten Komponisten, denen Du eine grosse Zukunft voraussagst?

In der Gitarrenszene sehe ich ein paar und manchmal liege ich mit meinen Einschätzungen richtig  und manchmal nicht. Sergio Assad schreibt wundervolle Musik. Phil Rosheger ist ein Komponist aus San Francisco, welcher wundervolle Musik schreibt. Ich bin sicher, dass es noch viele andere gibt.

Welche musikalischen Projekte stehen an?

Auch in diesem Jahr werde ich mit Telarc USA eine CD aufnehmen. Für die Konzerte versuche ich jährlich zumindest ein neues Programm zu erarbeiten. Deshalb suche ich dauernd nach diesen unbekannten Komponisten, welche etwas fantastisches für Gitarre geschrieben haben.

 

Welches sind nach Deiner Meinung die hauptsächlichen Fehler, die beim Üben gemacht werden?

Schlechtes Üben verstärkt schlechte Gewohnheiten - gutes Üben verstärkt gute Gewohnheiten. Wenn Du sauber spielen willst, kannst Du nicht oberflächlich üben. Gutes Üben verlangt nach Perfektionismus.

Kannst Du uns einige grundsätzliche Tipps zum erfolgreichen Üben geben?

Was den technischen Aspekt betrifft: Für mich ist die Art und Weise, wie ich mich täglich aufwärme sehr wichtig. Besonders nach jahrelangem Training sollten wir unsere Technik wie Sportler betrachten. Ich beginne mit Vorliebe behutsam und mache meine täglichen Basisübungen nach dem Motto: „So als wäre es meine erste Gitarrenlektion aber diesmal will ich es richtig machen.“

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aktualisiert: 04.01.2001